Notgroschen aufbauen: auch mit kleinem Einkommen
Es bleibt nichts übrig? Der Trick ist die Reihenfolge: zuerst zurücklegen, wenig reicht, dann vom Rest leben.

„Bei mir bleibt nichts übrig.“ Dieser Satz stimmt für viele Haushalte, und trotzdem ist ein Notgroschen möglich. Das Geheimnis liegt nicht darin, viel zurückzulegen, sondern die Reihenfolge zu ändern: zuerst zurücklegen, und sei es wenig, und mit dem Rest leben.
Dieser Text ist allgemeine Information und keine individuelle Finanzberatung.
Warum der Notgroschen vor jeder Geldanlage kommt
Ohne Rücklage wird jede Überraschung zur Schuld: Der Reifenschaden landet auf der Kreditkarte, die Zahnarztrechnung im Dispo. Und teure Schulden vernichten in Wochen, was du in Monaten gespart hast. Der Notgroschen ist praktisch die günstigste Versicherung, die es gibt.
Berechnet wird er nach deinen Ausgaben, nicht nach deinem Einkommen: Rechne deine monatlichen Grundausgaben (Miete, Lebensmittel, Strom, Versicherungen, Fahrtkosten) mal drei. Wer selbstständig ist, plant eher sechs Monate. Mit wenig anfangen und dranbleiben bringt mehr, als zu warten, bis viel übrig ist.
Der Plan für die ersten 90 Tage
Monat 1: Deine Zahl finden
Schreibe 30 Tage lang alle Ausgaben auf. Danach suchst du den kleinsten Betrag, den du abzweigen kannst, ohne das Wichtige zu gefährden. Das kann der Preis einer Pizza sein. Im ersten Monat geht es um die Gewohnheit, nicht um die Summe.
Monat 2: Automatisieren
Richte einen Dauerauftrag für den Tag nach dem Gehaltseingang ein. Was verschwindet, bevor du es siehst, tut nicht weh. Lege das Geld auf ein Konto getrennt vom Alltagskonto, am besten bei einer anderen Bank. So wird der spontane Zugriff schwerer.
Monat 3: Mit zurückgeholtem Geld beschleunigen
Jede gestrichene unsichtbare Ausgabe (Abo, Gebühr, Zinsen) erhöht deinen Notgroschen automatisch. Das Geld, das du nicht vermisst hast, wirst du auch beim Sparen nicht vermissen.
Goldene Regel: Ein Notgroschen hat einen Zweck. Er zahlt Notfälle, Reparaturen, Gesundheit und Einkommensausfall. Ein Handy-Angebot ist kein Notfall.
Taktiken, die ohne Verzicht beschleunigen
- Extra-Geld komplett zurücklegen: Steuererstattung, Bonus, der Verkauf gebrauchter Dinge. Einnahmen, die nicht im Budget standen, fehlen im Budget auch nicht.
- 24-Stunden-Regel: Jeder ungeplante Kauf wartet einen Tag. Was die Wartezeit überlebt, kaufst du, der Rest wandert in den Notgroschen.
- Wachsende Challenges: Starte in Woche 1 mit einem kleinen Betrag und steigere ihn jede Woche etwas. Der sanfte Anstieg täuscht das Gefühl der Enge.
- Verkaufe, was herumliegt: Kleidung, Elektronik und Möbel ohne Nutzung sind ein Notgroschen, der im Schrank schläft.
Wo das Geld liegen sollte
Eine gute Rücklage ist sicher und sofort verfügbar. Bevorzuge einfache, risikoarme Angebote mit täglicher Verfügbarkeit, etwa ein Tagesgeld- oder Sparkonto. Sei misstrauisch bei Versprechen, die weit über dem Durchschnitt liegen: hohes Risiko und Notgroschen passen nicht zusammen. Prüfe Zinsen und Bedingungen vor dem Abschluss direkt bei der Bank.
Häufige Fragen
Wie viel sollte im Notgroschen liegen?
Als Faustregel gilt das Drei- bis Sechsfache der monatlichen Fixkosten und Grundausgaben. Wer selbstständig ist oder ein schwankendes Einkommen hat, braucht eher mehr. Aber jeder Betrag hilft schon, fang klein an.
Wo lege ich den Notgroschen an?
Dort, wo er sicher ist und schnell verfügbar: zum Beispiel auf einem Tagesgeld- oder Sparkonto mit sofortigem Zugriff. Es geht nicht um hohe Rendite, sondern darum, dass das Geld im Notfall da ist. Vergleiche die Angebote und lies die Bedingungen genau.
Erst Schulden tilgen oder erst sparen?
Das hängt von den Zinsen ab. Teure Schulden wie ein ausgereizter Dispo wachsen meist schneller als jede Sparrendite, daher gehören sie zuerst getilgt. Eine kleine Mindestreserve verhindert aber, dass bei der nächsten Panne neue Schulden entstehen.
Das Geld für den Notgroschen steckt oft schon im Alltag: Beim Einkauf lässt sich am leichtesten sparen.